30.07.2014

Ein Projekt geht zu Ende – nicht aber die Idee

MENSCHENMÖGLICHES führt sein Leuchtturmprojekt ‚Palliativmedizin in Altenheime bringen‘ in die Nachhaltigkeit. Anlässlich der Überreichung der Teilnahmezertifikate durch Henning Baum veranstaltet der Verein eine Abschlussfeier in der Kapelle der Evang. Huyssens-Stiftung.

Fakt ist: Ein Drittel der  Senioren, die in ein Altenheim einziehen, versterben in den ersten drei Monaten und die Hälfte innerhalb der ersten zwölf Monate ihres Aufenthaltes. Diese bundesweiten Zahlen machen deutlich, dass hier Palliativmedizin und Hospizarbeit in ihren Kernkompetenzen gefragt sind. Schmerzen, Luftnot und Übelkeit müssen gelindert, Ängste genommen werden. Doch wie lassen sich diese und andere Symptome erkennen? Der dementiell erkrankte Mensch kann sie nicht immer mit Worten benennen.  Wie lassen sie sich behandeln, wenn er noch nicht einmal  Medikamente schlucken kann? All das erfordert ein spezielles  pflegerisches Wissen, den engen Austausch mit betreuenden Ärzten und  es gelingt nur in einer Umgebung, die darauf eingestellt ist, dass ein Pflegender pro Jahr durchschnittlich neun Bewohner in den Tod begleitet.

Initialzündungen sind notwendig, um an diesem Punkt anzusetzen und eine Idee Realität werden zu lassen –Modellprojekte, die Probleme aufzeigen und Ansatzpunkte für Verbesserungen bieten. Als vor mehr als zwei Jahren die Bitte an MENSCHENMÖGLICHES e. V. herangetragen wurde, ein solches Projekt zu fördern, haben die Verantwortlichen  nicht gezögert und sich an die Arbeit gemacht. Die Implementierung der Palliativen Pflege nahm in vier Essener Einrichtungen der stationären Altenpflege Gestalt an. ‚Individuell Palliativ Begleiten‘:   Durch Begleitung, Schulung und Vernetzung aller an diesem Projekt Teilnehmenden werden nun Erfahrungen und Kenntnisse aus der Hospiz- und Palliativversorgung in den Pflegealltag der Einrichtungen einfließen. Damit ist sichergestellt, dass die geriatrischen Palliativpatienten bestens betreut und versorgt sind und ein Stück mehr Lebensqualität genießen dürfen.

MENSCHENMÖGLICHES hatte es sich zum Ziel gemacht,  ein Konzept zu entwickeln und das Projekt so lange zu begleiten, bis es in eine Trägerschaft überführt werden kann. Mit dem Netzwerk Palliativmedizin Essen (npe) ist die Überführung in die Nachhaltigkeit nun gelungen und der Weg zu einer zentralen  Beratungsstelle für alle Akteure im Gesundheitswesen geebnet. Institutionen, Einzelpersonen, Professionelle, Ehrenamtliche und Angehörige haben ab sofort die Möglichkeit, an einrichtungs- und ortsunabhängigen Vernetzungs- und Bildungsangeboten teilzunehmen. Für Alten- und Behindertenpflegeeinrichtungen sowie Pflegedienste werden maßgeschneiderte Implementierungs- und Schulungskonzepte entwickelt. Mit dem npe konnte ein Träger für das Projekt gewonnen werden, der erfahren ist in Implementierungsprozessen,  regional gut vernetzt ist und große Kompetenzen im Bereich der Fort- und Weiterbildung im Bereich „Palliative Care“ ist.

MENSCHENMÖGLICHES begleitet das Projekt in Teilen weiter und unterstützt dort, wo Hilfe nötig ist. „Wir sehen es als unsere Aufgabe an, Menschen zu helfen, die durch die Konfrontation mit einer unheilbaren Krankheit selbst dazu nicht mehr in der Lage sind“, so Tim Geldmacher, Vorsitzender des Vereins. „Mit diesem Projekt konnten wir dazu beitragen, dass die menschenwürdige Versorgung Sterbender  ein Stück weit verbessert wurde.“

Ein Umdenken fordert Dr. Marianne Kloke, die als Palliativmedizinerin das Projekt begleitet hat. „Die Frage nach der palliativpflegerischen Kompetenz muss für Angehörige ins Zentrum ihrer Kriterien für die Auswahl des besten Heimes werden. Das würde Einrichtungen motivieren, den anstrengenden Weg der Implementierung von Palliative Care zu gehen.“

Die Ergebnisse dieses Projektes, das  mit einer Außenseiteridee begann, haben bundesweit Anerkennung gefunden. Henning Baum, Schirmherr des Vereins und Unterstützer der Idee wird die Teilnahmezertifikate überreichen.  In einem feierlichen Rahmen möchte der Verein  die Menschen ehren, die an der Entwicklung und Durchführung des Projektes beteiligt waren. Denn: „Einen Vorsprung im Leben hat, wer anpackt, wo andere erst einmal anfangen zu reden.“ (John F. Kennedy)

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